Zum G20 bleibt die Küche kalt

Freunde!

Auch wir knicken vor der jetzt schon sehr unangenehmen, obszönen Zurschaustellung des staatlichen Gewaltmonopols ein und verkünden hiermit, dass das

BISTRO CARMAGNOLE und die CANTINA POPULAR in den Tagen von
DONNERSTAG, DEN 06. JULI BIS EINSCHLIESSLICH SONNTAG, DEN 09. JULI, GESCHLOSSEN bleiben werden.

Wenn sich wenige hundert Meter von uns, die versammelten Schurkendarsteller des Welttheaters samt Tross - von denen die meisten sicherlich auf einer Anklagebank besser aufgehoben wären als auf einem roten Teppich und der ihnen den Weg bahnenden Polizeieskorte - versammeln, sehen wir keine Möglichkeit, unseren Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Nicht aus Angst vor legitimen Protesten – das ist nicht der Grund, davor fürchten wir uns nicht.
Aber die Situation ist ganz und gar nicht, wie Olaf Scholz entweder aus Ignoranz oder absichtlich lügend behauptet, mit einem Hafengeburtstag gleichzusetzen.

Schon jetzt, zwei Wochen vor dem Gipfel, fühlt man sich in die vom Oberverwaltungsgericht vor einigen Jahren für illegal erklärte Gefahrengebiete zurückversetzt. Eine blau-uniformierte Invasionsarmee aus allen Teilen der Republik hat sich über unseren Lebens- und Arbeitsort ausgebreitet und beobachtet jede unserer noch so kleinen Alltagshandlungen argwöhnisch und feindselig, und verbreitet ein Klima der Einschüchterung und Beklemmung.

Für das größte Kaspertheater, dass diese Stadt je gesehen hat.

Da ausnahmslos allen Teilnehmern des G20 die Ursache von Umweltzerstörung, Krieg und Vertreibung der Kapitalismus als alternativlose Einrichtung der Welt gilt, kann und wird der Gipfel nichts an den drängenden Problemen der Welt verändern.
Wenn der Hamburger Senat verkünden lässt, das Treffen im Juli möge „auch ein Signal für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung aussende(n)“, dann ist das in etwa so sinnvoll wie der Wunsch, die Sonne möge sich endlich vernehmbar gegen Hautkrebs engagieren.

Und für die sich hier nun treffenden, austauschbaren Vertreter dieser selbstzerstörerischen Weltordnung – die keine Strippenzieher oder Kraken sind, zu denen Sie gerne in der verkürzten Kritik gemacht werden – wird eine ganze Stadt in den Ausnahmezustand versetzt, ja gar in Geiselhaft genommen.

Unsere Lieferanten werden zum Teil ab Montag schon nicht mehr ausliefern, da aufgrund der vielen Absperrungen nicht klar ist, ob und wie man durch die Straßen dieser Stadt kommen wird.
Ab Donnerstag haben viele komplett geschlossen. 
Ohne frische Produkte ist unser Geschäftsbetrieb und unser Qualitätsanspruch aber nicht zu halten.
Wir könnten zwar vielleicht die Einkäufe mit dem Fahrrad erledigen, aber was würde es uns nützen, wenn Sie, verehrte Gäste, gar nicht den Weg zu uns finden würden?

Wenn je nach Laune des polizeilichen Führungsstabs - der jetzt schon seine harte Linie und damit einhergehend die zu erwartenden Gesetzesbrüche medial vorbereitet - ganze Straßenzüge oder die komplette Schanze abgeriegelt wird, und nur noch die wenigen verbliebenen Restanwohner - wenn überhaupt - zu ihren Häusern können?
Was machen wir dann mit sorgsam zubereitetem Speis und Trank?

Uns fiel die Entscheidung nicht leicht, denn es bedeutet ernsthafte finanzielle Einbußen für uns, für die wir einige Zeit brauchen werden, um uns davon zu erholen, und für die uns niemand entschädigt.
Aber mit einem Restaurant am Rande der Sicherheitszone, in einer abgeriegelten und verlassenen Geisterstadt, in einer Atmosphäre, in der schon Nachbarn von Polizisten gewarnt worden sind, dass diese, sollten sie in der Gipfelwoche wie gewohnt im Sommer die lauen Nächte auf ihrem Dach verbringen sollten, einfach heruntergeschossen werden könnten, sehen wir keine sinnvolle Möglichkeit unser Restaurant zu betreiben.

Und haben auch keine Lust darauf, da macht zu Vieles schlechte Laune.


Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Trotzdem, auch dieser Gipfel geht auch mal vorüber und die Sonne wieder hell auf uns hernieder scheinen!


Ihre Carmagnoles und Cantineras y Cantineros